Josef A. Slominski "Menschen meiner Zeit, die etwas bewegten"

19. Oktober 2017 - 25. März 2018

Der nachdenkliche Ausdruck auf dem zerfurchten Gesicht Konrad Adenauers, der wache Blick Angela Merkels kurz nach ihrem Amtsantritt – SLOMI ist der Fotograf, der vom ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland bis zur amtierenden Kanzlerin alle vor die Linse bekommt. Erklärtes Ziel des Fotografen ist es, Menschen aus Politik und Kirche, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport zu zeigen, die in ihrem jeweiligen Bereich viel erreicht und über ihren Beruf hinaus etwas für ihre Mitmenschen getan haben.

Slomi

Diese werden in großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien dem Betrachter gegenübergestellt. Zumeist mit geringer Tiefenschärfe fotografiert, treten die Gesichtszüge der Menschen in den Fokus, während der kaum vorhandene Hintergrund und die Kleidung unscharf werden. Die überlebensgroßen Gesichter füllen den Rahmen beinahe vollständig aus, meist sind sie in Frontal- oder verschiedenen Profilansichten gezeigt. Die so hergestellte Nähe von Betrachter und Porträtierten fordert geradezu dazu auf, in den Gesichtern zu lesen. Um einen möglichst ehrlichen und unverstellten Blick zu ermöglichen, verzichtet der Fotograf auf Inszenierungen und Zusatzbeleuchtung und lichtet die Personen vorwiegend in ihrer gewohnten Umgebung während des Gesprächs ab. Zeugnis davon geben die begleitenden Fotografien, die SLOMI bei der Arbeit zeigen und so nicht nur einen Einblick in die Lebenswelt der Porträtierten, sondern auch in die fotografische Praxis des Künstlers bieten.

Das alte Versprechen der Dokumentarfotografie, etwas Wahres über das Gezeigte auszusagen, schwingt auch in SLOMIs Fotografien mit. Doch je mehr man versucht ist, die Gesichter zu entziffern und zu deuten, desto mehr versperren sie sich, stellen sich einem entgegen. Schließlich ist es ein wechselseitiges Betrachten: Genau wie die Fotografierten betrachtet werden, blicken auch sie die Besucher der Ausstellung an. So wird aus dem Versuch, etwas vermeintlich allgemein Menschliches oder eine Wahrheit hinter dem Bild der Mächtigen und Einflussreichen in den Fotografien zu erkennen, vor allem eines: Eine Übung über das Sehen an sich. Die Erfahrung des Betrachtens changiert hier zwischen der Lust am Schauen und dem Gesehen-Werden, dem Gefühl des Ertappt-Seins. So zeigt die Ausstellung mit mehr als 100 Porträtfotos nicht nur über sechs Jahrzehnte Zeitgeschichte aus dem persönlichen Blickwinkel des Fotografen, sondern auch, was es bedeutet, Kunst zu betrachten.

Biografie
SLOMI (Josef Albert Slominski), geb. 1937 in Bochum, fotografiert seit 1954 bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Die ersten Veröffentlichungen des damals noch jugendlichen Künstlers waren Fotografien des Bundeskanzlers Konrad Adenauer, 1955 fotografierte er erstmals den Papst. Als einziger Fotograf hatte er bei allen sieben Bundeskanzlern und der amtierenden Bundeskanzlerin einen eigenen Porträttermin während ihrer Amtszeit. Außerdem fotografierte er alle Päpste seit dem Zweiten Weltkrieg – inzwischen sieben – sowohl im Vatikan als auch auf Auslandsreisen.

Gemeinsam mit verschiedenen Autoren brachte er zahlreiche Publikationen heraus, zuletzt 2016 das Buch „Im Schatten der Päpste: Der Alltag der Papst-Sekretäre von Pius XII. bis Franziskus“. Seine Fotografien, die neben den hier gezeigten Porträts auch Ausstellungen zu Orten wie Brasilien oder Indien und Themen wie Umweltschutz oder den Strukturwandel in Nordrhein-Westfalen umfassen, wurden bereits in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert, darunter im Vatikan, im Thüringer Landtag in Erfurt und in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalens in Berlin.

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